ISSN 1864-5682


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Hptm. Graf A. Rességuier de Miremont

Die Geschichte um einen Lebenslauf

Um es vorweg zu nehmen - alle Informationen, die hier zu sehen sind, sind original aus dem Nachlass von Graf A. Rességuier de Miremont, die mir sein Sohn zuschickte, der sich um Geschichte seines Vaters bemühte.

Wir bitten um Mithilfe (wird fortgesetzt!!)

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Hptm. Alexander
Graf Rességuier de Miremont

Im Juli/ August 2010 erreicht mich eine hochinteressante eMail. Es schreibt mir der Sohn von oben erwähnten  Alexander Graf Rességuier de Miremont mit gleichem Namen. Zuerst bin ich etwas mißtrauisch, denn in den ganzen Jahren sind mir schon tolle eMails zugeschickt worden. Aber hier wurde ich schnell eines Guten belehrt. Die wenigen Fotos, die er auch dem Autoren Lorant für sein Buch "Jagdgeschwader 300" zur Verfügung stellte, schickte er mir ebenfalls, allerdings war ich doch überrascht, Fotos dabei zu finden, die NICHT im Buch von Lorant auftauchen.

Als mir der Sohn dann auch noch die Lebensgeschichte in Daten und Fakten und Briefkorrespondenz zuschickte, wurde die ganze Sache mysteriös, weil einige Recherchen ergaben, dass die bekannten Abschüsse des oben erwähnten Jagdfliegers (JG300/ JG301/ NJG1,5) nicht übereinstimmten mit der Korrespondenz und den bekannten Fakten.

Also - wer kann uns genauer helfen, Licht in das Dunkel zu bringen.

Bilder von 10./JG301 in Rümanien

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Militärischer Werdegang März 1943 bis Kriegsende

Zeit / Datum Aufenthaltsort Tätigkeit/ Bemerkung/ Kommentar
bis März 1943 irgendwo in Finnland (Offensicht in der Nähe der russischen Grenze) -  Tätigkeit als Technischer Offizier (Oberleutnant) mit Fluglizenz.
-  In seinen Briefen spricht er davon, dass er alle großen und kleinen Lfz fliegt, deren er habhaft werden kann. Namentlich werden die Me 109, Me 110 und He 111 aufgeführt.
06.02.1943 Finnland
Beförderung zum Hauptmann der Luftwaffe.
Drängt auf Wechsel in die Jagdfliegerei
Mrz 1943 unbekannt Beginn der Jagdfliegerausbildung
19.08.43 irgendwo in Frankreich an der Atlantikküste -  Einsatz als Jagdflieger (Einheit nicht bekannt)
-  möchte gerne zu den Nachtjägern
22.08.1943 Versetzung nach Altenburg Ja, richtig, Altenburg ist die Schmiede der einotorigen Nachtjagd!
Vervollständigung der Ausbildung, vermutl. zum Nachtjäger, keine Feindberührung in Frankreich
16.09.1943 unbekannt - Ernennung zum Staffelkapitän der 1./JG 301
- Kommodore ist sein „Duz- und Busenfreund seit 1938“
- Ausbildung zur Nachtjagd ist beendet
- schreibt von Verlegung nach Gardelegen (Stendal, Berlin) ab 18.09.
Irgend etwas stimmt hier nicht:, denn am 27.09.1943 erringt der Hptm. einen Abschuß für den Stab/ I./ JG300!
04.11.1943 verm. Ploesti, Rumänien Feldpostnummer L 54738:
-  schreibt von einer großen Einöde mit „Ölflecken“ und „Bohrtürmen
11.11.1943 Rumänien

-  bezeichnet sich als Kommandeur der „Wilden Sau“ in Rumänien. (vermutlich 10. / JG301) Gleichzeitig ist er „Horstkommandant“ und „Standortältester“
-  Auftrag ist die Ausbildung und Durchführung der kombinierten Tag – Nachtjagd mit seinen Leuten.
-  schreibt von großen Anfangsschwierigkeiten in der Ausbildung seiner Leute, die offensichtlich eine recht laxe Dienstauffassung haben.

Ganz heiße Sache, denn bisher gilt die 10./ JG301 (VI./ JG301) als nicht aufgestellt und unsicher!

26.11.1943 Rumänien

schreibt davon, dass Kommodore Maj. Weinreich gefallen ist,

Dez. 1943 Rumänien „kann sich nur noch um Sekunden handeln, bis ich Kommandeur bin“
24.01.1944 Rumänien Wartet auf die Versetzung ins Reich
03.03.1944 Zerbst / Deutschland -  einige hundert Seelen und viele Offiziere unter der „Fuchtel“
-  Abschuss von Ltn. Glaass (erfolgreicher Fallschirmausstieg)
25.03.1944 vermutlich Zerbst -  Einsatz in der Luftschlacht über Berlin am 24.03.1944. Dabei eine Lancaster angegriffen und beschossen worden.
-  Bauchlandung in Erfurt, Lfzg. geht dabei zu Bruch
-  Lt Glaass erneut Fallschirmabsprung, nachdem er ein Flugzeug gerammt hat.
11.06.1944 unbekannt -  Teilnahme an einem Kursus (welcher ist unbekannt)
-  freundet sich mit einem ObLtn. Kettner an,
- „wollen danach zusammen bleiben“
-  „Abschied von der Gruppe“
20.06.1944

fliegt mit ObLtn. Kettner zusammen in einem Verband Me 410 oder 110 (unleserlich) –
eher Bf 110G!

Juni 1944 unbekannt neue Verwendung bei den „2motorigen Nachtjägern“
08.07.44
2./NJG 5 4-mot. Flgz.     Ost S/UD: 3.500 m.       01.15  
(28. Abschuß für die 2./ NJG 5)
30.08.44 1./NJG 5 Lancaster        Königsberg: 2.500 m.  01.53
(53. Abschuß für die 1./ NGJ 5)
27.08.1944 Wormditt / Ostpreussen -  fliegt jetzt Ju 88G (mit „Müller“).
-  Nahe Bremen von eigener Flak beschossen
09.09.1944 Wormditt / Ostpreussen -  Stubengenosse ist Oltn. Ehrhardt
-  Kommodore ist Maj Borchers, der fliegt die neue „Dora“
Okt 1944 Wormditt / Ostpreussen ObLtn. Kettner inzwischen gefallen,
er fiel bei der II./JG5 EISMEERJÄGER einmotoriges Jagdgeschwader
Nov 1944 vermutlich Wormditt ?

haben den ersten „Linktrainer“ bekommen und üben fleißig Blind- und Nachtflug
-  Untersuchung auf „Wehrfliegertauglichkeit“
-  anstehende Versetzung zu einem Nachtjagdgeschwader (Aber siehe oben, bereits im Juli/ August Abschüsse für NJG5)

Vermutlich wird hier von der He 219 gesprochen?

05.12.1944 Hotel Boniburg / Münster / Hahndorf -  angekommen bei der neuen Gruppe, die als beste Nachjagdgruppe im Reich gilt (das NJG1)
-  fliegt eine „sehr schnelle Maschine von Heinkel“ --> sag ich doch: He 219
14.12.1944 Münster -  neues Flugzeug He 219 (wird nur von der NJG1,3 u. 10 geflogen)
-  wohnt im Kloster bei den Nonnen
-  fliegt zu zweit (wieder mit Müller)
26.01.1945 Münster Bordfunker Müller ausgetauscht, weil er mehrere Abschüsse „versaut“ hat.
16.03.1945 unbekannt Versetzung in den Norden (vermutlich Deutschland). Venlo-Niederlande ?

Gefechtsbericht zum Abschuß 30.08.1944 für das NJG5

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Graf Rességuier, Hauptmann    30.8.44

1./N.J.G. 5

Gefechtsbericht zum Abschuss am 30.8.44

Ich startete befehlsgemäß am 30.8. um 0010 Uhr nach F.F.20 , welches jedoch nicht in Betrieb war. Beim Durchziehen erhielt ich starke Vereisung, so dass mir Fahrtmesser und Variometer ausfielen. Ich entschloss mich, da ich keine F.T. Verbindung hatte, über die Wolken zu gehen und erst den Eisansatz abzustoßen. Nachdem dies geschehen war und ich mich nach Kompass über F.F.20 befinden musste, erhielt ich Reportage und stieß in Richtung Königsberg durch. Da das Objekt stark erhellt war, hatte ich bald Augenerfassung. Ich griff um 0148 Uhr aus einem Pulk von ca. 10 Flugzeugen, der mit Nordkurs das Objekt überflog, eine im äußeren östlichen Dunkel ??? fliegende Lancaster von hinten unten an und schoss sie mit einem Feuerstoss auf Rumpf und linke Fläche in Brand. Angriffsentfernung war ca. 100 – 150 m. Beim Abdrehen nach rechts erhielt ich vom Heckschützen eine Garbe in den linken Motor. Die angegriffene Maschine schlug um 0153 Uhr ca. 5 Km nördlich Objekt in einem großen Aufschlagbrand auf. Sodann griff ich eine weitere an, wobei jedoch der linke Motor meines Flugzeuges noch vor Erreichen der Schussposition versagte. Ich stellte ihn ab und flog nach Hause. Zur Landung stellte ich ihn wieder an, jedoch zog er noch kaum. Die Landung erfolgte mit Fahrwerk, welches jedoch nicht mehr verriegelte, und beim Ausrollen zusammenkrachte.

Graf Rességuier


(1) FF 20: Funkfeuer 20

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Eine Ergänzung von John Foreman

Besten Dank für diese Ergänzung!

Für das JG 300 flog er 1943 in "Wilden Sau" Einsätzen, später dann für das NJG 5 und am Schluß für die I. / NJG 1 mit He-219.
Am 3. Februar 1945 soll er ein Lancaster abgeschossen haben, wurde dann aber von einer Mosquito des 410 Squadron in der Nähe von Garzweiler attakiert. Flight Lieutenant B.Plumer schoss die He-219 ab und die Besatzung ging in der Nähe von Roermond verwundet zu Boden.

 

27.09.43 JG300

Hptm.  Rességuier

B-17 W Hannover city 23:15
08.07.44 JG300 Hptm.  Rességuier Lancaster PQ UD/05 Ost 01:15
30.08.44 NJG5 Hptm.  Rességuier Lancaster Königsberg 01:53
03.02.45 NJG1 Hptm.  Rességuier Lancaster Roermond 20:30
03.05.45 NJG1 Hptm.  Rességuier unbekannt unbekannt ??



John Foreman

Ergänzung durch Marcel A.L.M. Hogenhuis/ Venlo

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In den Walter Grabmann Studien (USAF Hist.Studies) findet man unter R-251 die Meldung, dass Hptm. Graf A. Rességuier de Miremont am 24.10.1943 zur II./JG 4 (Targsoroul/ Rumänien) versetzt wird und mit der Aufgabe  zur Aufstellung der 10./JG 4 (Wilde Sau) betraut wurde.
L 54738 ist aber die 10./JG 301, es könnte bei Grabmann also um ein Irrtum handeln.

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Laut KTB I./NJG 1 soll Hptm. Rességuier de Miremont am 29.11.1944 von der I./NJG 5 zur I./NJG 1 gekommen sein. Laut Einsatzbefehle flog er bei die erste Staffel (1./NJG 1) und hatte möglicherweise einen nicht bestätigten Nachtjagdabschuss am 3/4.2.1945 Dabei musste er selbst aussteigen. Die He 219A-2 (Wnr.290070) sturzte in der Region Garzweiler ab, nach eigene Angaben durch Schadeinwirkung im Luftkampf mit ein Lancaster.
Es liegt aber auch ein Abschussmeldung einer Mosquito vor der 410e Sqd.RCAF (F/L Plumer).
Hptm. Graf A. Rességuier de Miremont und sein Bordfunker Fw. Fritz Habicht konnten sich mit Schleudersitz retten. Der Hptm. wird auch noch erwähnt am 19/20.4.1945 als sein He 219A-2 etwa 50-60% Schaden erleidet durch einen Mosquito-Beschuss. Dass muss in Norddeutschen Luftraum gewesen sein, denn der Gruppe war ab Ende März 1945 auf Westerland/Sylt stationiert.
 

Ergänzung zur He 219 Wnr. 290070 (BOBO)

Die Maschine trug das Rufkennzeichen G9 + CH, einer He 219A-2 mit dem Funker Fw. Fritz Habicht.

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