ISSN 1864-5682


  WebsiteNews:

Focke Wulf Fw 190D9/11 beim JG300?

Spekulation oder doch nicht ...

Fw190Dgruene4-c.jpg

Wilde Spekulationen und geschickt zusammengestellte Fotos in Fachbüchern (Jagdgeschwader 300, Vol.II, S. 287 ff),  und  in Foren wollen den Eindruck vermitteln, dass diese oder jene Maschine von Typ Fw 190D vom Stab/ II.JG300 bzw. von der II.JG300 im Einsatz noch geflogen sein könnte. Weder Flugbücher, noch definitive Fotos aus dieser Zeit können diese Spekualtionen stützen. Die einfachste Methode eines Interviews und das richtige Lesen von Erinnerungen wäre hilfreich zur Klärung gewesen.

Schon im ersten Projekt der JG300-Webseite von 1997 wurde dies angefangen und 1999 und 2001 wurden diese Interviews noch einmal geführt unter einem anderen Vorzeichen, damit die Erinnerungen der Flugzeugführer glaubhaft wurden.

Ausgangspunkt war dieses Dokument, (siehe ganz unten), welches die künftige technische Ausstattung mit Flugzeugen bei JG300 dokumentierte. Allerdings beachte auch das Datum auf diesem Dokument, was wohl einiges über die tatsächliche Umsetzung aussagen kann.

DokJG300.jpg

Fw 190D JG300

Durch die langjährige Freundschaft mit dem ehemaligen Ltn. Gustav Salfner kam ich dann auf die Spur weiterer Ereignisse, die die Existenz und letzlich auch den bevorstehenden Einsatz von Fw 190D-Flugzeugen untermauerten.

So hat in dem Buch "Focke Wulf Jagdflugzeuge" der Autor Peter Rodeicke auf Seite 412 einen Auszug aus einem Brief von Ernst Schröder, einem ehemaligen Flugzeugführer der 5./JG300 veröffentlicht, der sich an diese Maschine sehr gut erinnern könnte. Herr Schröder ist mit seinem technischen Verständnis sehr ernst zu nehmen, da er während des Krieges sich bereits für solche Dinge mehr als alle anderen interessierte.

[...] Unsere Gruppe bekam Anfang 1945 einige "DORAS" und später sogar D-12! Es muß etwa April 1945 gewesen sein, da sagte mir mein Techniker: "Das ist keine D-9, sondern eine D-12!" Auf meine Frage, worin der Unterschied bestehe, wies er auf die fehleneden Rumpf-MGs 131 hin. Wir haben damals von Holzkirchen aus noch Einsätze geflogen gegen amerikanische Panzerspitzen im Augsburger Raum geflogen. Dabei flog der Gruppenstab - bezeichnenderweise - D-9 und D-12. Es können aber nur wenige Mühlen gewesen sein - höchstens drei bis fünf, davon vielleicht eine oder zwei D-12! Ich entsinne mich noch, dass wir mit unseren A-8 und A-9 beim Steigen nicht mitkamen. [...]

(Brief von Schröder vom 16.11 1995)

unveröffentlicher Auszug aus dem Interview

GSalffner.jpg

Frage:    Immer wieder taucht die Behauptung auf, dass die II./JG 300 neben der Fw 190A-8 auch Fw 190A-9 und sogar Fw 190D-11 geflogen haben soll? In einem Dokument von 1945 gibt es sogar ein Planspiel, dass die II./JG 300 auf Fw 190D umzurüsten sei.

 
Ltn. Gustav Salffner (7./JG 300):
                „Ja das stimmt. Ich selber habe eine solche Fw 190D-9 Anfang 1945 geflogen. Und diese habe ich dann bei Kriegsende, wo sowieso alles in Auflösung war, auf Befehl von Oltn. Radener nach Salzburg überführt und dort aber eigenhändig zerstört, damit die Maschine nicht den Amerikanern in die Hände fiel. Mein Staffelkamerad Staschewski hat auch eine solche Maschine geflogen. Abschüsse haben wir mit diesen Maschinen nicht erzielt. Ich glaube, dass die Maschinen eigentlich nur zum Platzschutz eingesetzt waren. Soweit ich mich erinnern kann, trugen die Maschinen nur einen Zahlencode – 1, 2, 3 oder so, aber an Winkel oder andere Besonderheiten kann ich mich nicht erinnern. Nein, ich glaube nicht. Vom Gruppenstab konnte oder wollte keiner dieses Flugzeug fliegen. Teilweise bestand immer noch "Flugverbot" für einige hohe Offiziere und die Angst einer der nächsten zu sein grassierte auch im Stab.

                Das war eine feine Maschine - sehr schnell, wendig und sie flog fast wie von selbst. Beim Start musste man nur die Maschinen in der Spur halten, dann hob die Kiste schnell ab. Und ohne das ich es wollte, flog diese den Fw 190A´s meiner Staffel einfach davon. Ich musste Gas zurücknehmen. Nun ja, der Verbrauch war auch nicht gerade wenig. Meinem Katschmarek Staschewski wurde dies  im April 1945 zum Verhängnis. Ich erinnere mich nur noch daran, dass er mit leerem Tank Holzkirchen anflog und die Kiste landen wollte. Aber er schaffe es nur bis zum Waldrand und dann war die Maschine verschwunden. Als man Staschewski geborgen hatte, wurde er schwer verwundet ins Lazarett überführt. Er kam nicht mehr zur Truppe zurück. Außer mir haben auch noch andere der Gruppe diese Maschine geflogen. Aber wer, ich kann mich nicht mehr daran erinnern.“

 

 

                Nachforschungen haben aber ergeben, dass Hubert Engst (5./JG300) ebenso die Fw 190D-9 geflogen haben soll. Sein Sohn zeigte mir in einem Interview schriftliche Erinnerungen seines Vaters. Er habe eine Ta 152 geflogen - garantiert nicht- war dabei mein Gedanke. Aber daraus lässt sich schnell herleiten, dass es sich um eine Fw 190D-9 oder D-11/12 handelte, vielleicht auch mit dem Einheitsleitwerk (wie bei der Ta 152 und daher die Verwechslung!), die abgesehen von der Spannweite einer Ta 152 sehr ähnlich sieht.

 

Bei dieser Sprengung war auch Gustav Salffner dabei, allerdings wußte H.Engst nicht mehr, ob er eine D-9 oder eine A-8/9 gesprengt hatte. Es steht noch Paul Lixfeld nach Aussage seiner ehemaligen Kameraden als ein solcher Kandidat, aber er wollte sich nicht mehr dazu äußern.
Dann gibt es noch Hinweise, dass der letzte Kommodore des JG 300, Major Günther Rall eine solche als Stabsmaschine geflogen haben will, allerdings könnte er diese auch aus seinem vorherigen Geschwader mitgebracht haben.

Copyright © 1998 by BOBO · ISSN 1864-5682 · Tel.: 03341/ 498209 · powered by phpWCMS